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Neue Entwicklungen

Integrative Orthopädie


Integrative Orthopädie – neue Entwicklungen unter dem Aspekt der Daseinsqualitäten

Für die allgemeine Praxis wird die untrennbare Verknüpfung von Körper und Geist vorausgesetzt.
Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zur westlichen psychosomatischen Medizin!
Sie trennt sorgsam Psyche und Körper, was ein erheblicher Hemmschuh für Erkenntnis sein kann. So fehlt den Psychotherapeuten und Psychiatern das Handwerkszeug zur Untersuchung des körperlichen Ausdrucks psychischer Betroffenheit oder es ist verkümmert!

In der orthopädischen Arztpraxis ist es pragmatisch, nach der jeweiligen Perspektive zu handeln und dann ist ein defekter Meniskus mit "Knie- Aua", klinischen "Meniskuszeichen" und Magnetresonanztomogafienachweis ein defekter Meniskus und kann/sollte operiert werden.
Würde man aber auch hier die Daseinsqualitäten wie "unbeständig", "unvollkommen" und "unpersönlich" ins Kalkül einbeziehen, so wären alle grundsätzlichen Bedingungen auf dem Prüfstand und die Handlung im Ergebnis weit offener zu gestalten
Auf welchen Prüfstand eigentlich ? - na, doch des Geistes!
Der Schmerz ist z.B. nicht weniger virtuell als das technische Bild des Radiologen, also eine Projektion, eine Einbildung des Geistes und das gilt auch für den persönlichen Eindruck des Untersuchers mit der Empfindung aus seinen 5 Sinnen und zumal dem Tastsinn, der Empathie zum Patienten, dessen auf verschiedenen Kanälen ausgedrückten Reaktionsweisen und schließlich der ärztlichen Bewertung aus Erfahrung und weiteren Gedanken des Gedächtnisses wie zum Beispiel der Wirtschaftlichkeit der Praxis. So kann man den Entscheidungsprozess in immer feinere Pfade zerlegen, die als virtuelle Sprossen des Geistes einen oder mehrere Algorithmen abbilden lassen. Konkrete Handlungsfähigkeit und allumfassende Optionen des Geistes erscheinen dem Pragmatiker so fast diametral - Schmerzvortrag des Patienten , nicht einmal zwingende technische Diagnostik und die tastende Untersucherhand am Knie reichen in der einfachen Version um die Operationsempfehlung auszusprechen und umzusetzen.
Diese Handlungsweise entspricht der Abstraktion auf eine lineare Beziehung von Patientenvortrag wie Schmerz und anatomischer Struktur auf der einen und der anzubietenden Dienstleistung "Reparaturoption mit Operation" auf der anderen Seite.
Der alternative Zugangsweg berücksichtigt die genannten Daseinsqualitäten und damit die Komplexität biologischer Regulationen einschließlich der Kommunikation von Lebewesen.

Wenn alles unbeständig ist, dann sind es auch Schmerzen und die Funktionen des Körpers. Festgehalten werden sie aber zum Beispiel durch die Erinnerung an die Schmerzen. Patienten können auch nach einer Linderung ihrer Beschwerden durch eine therapeutische Maßnahme immer wieder erzählen, wie schlimm das alles war und aktivieren damit ohne es zu wissen ihre "Schmerzbahnen". Unbeständig sind aber auch die Strukturen in einer Praxis oder im Krankenhaus, je nach "Wetterlage" also durch
Verwaltung, Chefs, Krankenstand, aktuelle Fallzahlen, Budgets.....

Unvollkommen sind z.B. Kniestruktur im Altersumbau und einer Vorgeschichte mit Unfällen und Belastungen, die Knorpeloberflächen in eben diesem Zusammenhang, aber auch die gegenwärtige Stoffwechsellage ggf. nach einem "Frustfraß", die Ungeduld des Arztes, der eine Entscheidung möchte, möglichst nach seinem Vorschlag..... Diese Liste ist endlos fortzusetzen.

Unpersönlich meint hier die Egostruktur aller Beteiligten, also die Annahme eines strukturellen "Ich", das einen Schaden erlitten hat, dem ggf. Unrecht getan wurde, das durch Missgeschick, eigenes oder Fremdverschulden in eine Verletzungssituation hineingeraten ist und Forderungen gemäß den üblichen Gepflogenheiten des Krankenversicherungssystems stellt. Kontakt besteht zum Ego des Behandlers, zum Beispiel des Arztes, der in vergleichbarer Kategorie bewertet, annimmt oder ablehnt, Forderungen stellt oder zurückweist. So sind Kränkungen ebenso möglich wie die Zustimmung das "Ego" stärkt und dies auch nach dem, was an dem Tag schon so abgelaufen ist und wie sich die privaten und beruflichen Beziehungen situativ und vor dem gestalten bzw. gestaltet haben.
"Alles nur in meinem Kopf ", alles zur gleichen Zeit und alles mit Einfluss auf Emotionen, Stoffwechsel, Aufmerksamkeit und damit Bewertungen und schließlich Handlungen.
Ist uns das eigentlich bewusst?
Ja und nein.
Ja, weil kein Ablauf wirklich nur unbewusst ist und nein, weil für wirtschaftliches und pragmatisches Handeln Abstraktionen ganz sinnvoll sind.
So kann die Routine durchaus mal einen ganze Weile über den "Autopiloten" in uns laufen. Das gilt insbesondere dann, wenn wir müde sind oder besondere emotionale Belastungen wie Trauer und Kummer vorhanden sind.

Neue Entwicklungen? Die hier skizzierten geistigen Bezüge sind schon den Weisen der Antike bekannt gewesen. Neu für mich ist der tatsächliche körperliche Ausdruck der Emotionen, den die alten Meister nur sehr zurückhaltend dargestellt haben. Ihnen ging es in der Regel mehr um den Geist als um den Körper. So könnte ich aber keine orthopädische Praxis im 21. Jahrhundert in einem westlichen Industrieland wie Deutschland betreiben. Die Annahme eines unmittelbaren Zusammenhanges von Geist und Körper ist aber pragmatisch und damit auch wirtschaftlich, weil sie immer auch "Softwarekomponenten" einbezieht, die zur Ordnung und Steuerung der nicht linearen und hoch komplexen (rückbezügliche komplexe Korrektur) biologischen Regulationen eingesetzt werden können.

Auf zwei einfache Grundprinzipien will ich deshalb kurz hinweisen:
Erfahrung 1: Menschen (für Säugetiere habe ich es nicht untersucht, aber auf unsere mittlerweile 12 jährige Labradorhündin Ronja scheint es auch zuzutreffen) reagieren auf Belastung mit einem asymmetrischen geistig - körperlichen Ausdruck.
So entsteht eine relative und nicht immer konstante Halbseitenschwäche, mit lockerem Bezug zur Händigkeit und typischer Möglichkeit der muskulären oder Sehnenansatzverletzung. Je nach zeitlichem Ablauf sind auch Stoffwechselvorgänge beteiligt und hier insbesondere die Wirkung von Emotionen wie Ärger, Wut, Zorn, Kummer, Trauer und Angst auf die Verdauungsleistung gemeint. Emotionen reduzieren in der Regel die Verdauungsleistung, also die Fähigkeit aufgenommene Nahrung adäquat zu verarbeiten und so sind schon sprichwörtlich mit „der Laus über der Leber“, „da kriege ich so einen Hals“, „es kommt mir hoch“, „ich habe Schiss“ etc. Empfindungen wohl jedem gut bekannt. So entstehen komplexe Muster der Symptombildung von mit mangelndem Substanztransport in den Geweben durch die „blockierte“ Körpermitte als Gewebeschwellung, Stauung, dicke Beine, einschlafende Hände und Füße mit Kribbeln und Missempfindungen. Sie werden in der Schulmedizin am Handgelenk zum Beispiel als Carpaltunnelsyndrom z.B., Sehnen - und Muskelschmerzen wie Tennisellenbogen, Mittelfußknochenschmerz an den Füßen und Syndromen der Wirbelsäule je nach anatomischer Lage bezeichnet und reichen bis hin zu Einklemmungen von Nerven durch Druck der asymmetrisch belasteten und durch Stoffwechselvorgänge abbauenden Bandscheibengebe. Die Akupunktur am Körper, Ohr und Schädel basieren auf diesen Regulationsprinzipien der Verbindung von Bewusstsein, Nervensystem, inneren Organen und Empfindungen am Bewegungsapparat. (Gewaltfreie) vegetarische Ernährung, übende Verfahren wie Yoga und Meditation und ggf. eine begleitende Psychotherapie sind nachhaltiger als die „Tricks“ mit der Akupunktur.
Erfahrung 2
Erfahrung 1 berücksichtigt Emotionen nur anteilig. So gibt es eine weitere Basisreaktionsweise: Bei Umständen, die uns "zu Herzen gehen", tritt oft eine diagonale asymmetrischer Muskelanspannung auf ("Herzmuster").
Hier werden die linke Schulter mehr als die rechte in der Außendrehung/Abspreizung reduziert, die Brustwirbelsäule wird im Rundrücken fest gehalten und es gibt variable Beinspannungen, die auch mit Schwellungen einhergehen können. Das Bewusstsein ist häufig eingeengt wie bei einem „reduzierten Arbeitsspeicher“.
Je mehr das Herz auch organisch betroffen ist (Koronare Herzerkrankung, Herzschwäche) wird das linke Bein mehr in die Spannung einbezogen und je mehr ein "Stressgeschehen" mit Verbindung zum Stoffwechsel besteht, sind es Spannung und Stauung am rechten Bein. Die Homöopathie Ignatia, hier als Herzangst gemeint, bildet die eine Flanke, das organische Herz (phytotherapeutisch Weißdorn)
die andere Seite. Beide Ausprägungen kombinieren und es gibt unendlich viele Graustufen und natürlich kombinieren auch die Reaktionsweisen der Erfahrungen 1 und 2.

Aber keine Angst - so kompliziert, wie es sich liest, ist es nicht!
Es verlangt nur Empathie und Achtsamkeit vom Untersucher, eine "diagnosefreie" Diagnostik, also "Anfängergeist" ohne frühe Bewertung, ein ausgewogenes Patientenbild (Augenhöhe, Interesse, Mitgefühl) und klinische Erfahrung am Bewegungsapparat. Die höheren Stufen der Ohrakupunktur, spezielle Pulsdiagnostik und Erfahrung in manueller Therapie sind Tricks, eigentlich entbehrlich, aber für die Wirtschaftlichkeit in der gegenwärtigen orthopädischen Praxis unentbehrliches Handwerkszeug.

Wie geht es nun mit dem Meniskus weiter? Die Dimension Zeit tritt als Sinnbild der Unbeständigkeit oder Vergänglichkeit in den Entscheidungsbaum. Zeitliche Zusammenhänge sind nicht automatisch Kausalitäten, wie es von Patienten häufig empfunden und vorgetragen wird! So gibt es zu jeder Empfindung eine Vorgeschichte oder Regulation, wo reparative neben abbauenden Prozessen stattfinden.

Jetzt muss der Arzt entscheiden, in welcher Phase der Einstellung von Gleichgewichten er den Patienten antrifft. Dazu ist dessen Meinung wichtig, aber für die medizinische Handlung bedarf es unbedingt unabhängig von der Patientenempfindung gesammelte Informationen. Sie umfassen die zeitliche Vorgeschichte, die lokale Empfindlichkeit im Altersumbau, die oben genannten Spannungsverteilungen und damit immer Stoffwechsellage und psychischen Zustand – auch wenn es „nur“ um den Meniskus geht.
So muss der 56 jährige Mann mit leichter rumpfbetonter Adipositas, einer kranken Ehefrau, Bluthochdruck seit 3 Jahren und mit Knieschmerzen links seit 3 Monaten sowie der Magnetresonanztomografie-Diagnose degenerativen Meniskusschadens und leichter innenseitiger Arthrose des Kniegelenks völlig anders behandelt werden als der akut verletzte 30 jährige Fußballer, auch wenn beide Kniegelenke ein Streckdefizit aufweisen.
So sind im ersten Fall die Kiblerfalte (Speckrolle der Unterhaut am Rücken) am Rücken kaum beweglich, der Bauch gebläht, der Brust-Lendenübergang der Wirbelsäule steif und damit auch die Hüftgelenke auch ohne Verschleiß reduziert beweglich.
So ergeben sich doch offensichtlich Optionen für unterstützende Gespräche, Ernährung, Physiotherapie, Trainingszustand und ggf. orthopädietechnische Hilfsmittel und eine Schmerztherapie.

Dem jüngeren Fußballer sollte natürlich dieser grundsätzliche Denkansatz nicht verwehrt werden. Man darf aber schon mal fragen, welche Bedingungen der Verletzlichkeit zum Unfallzeitpunkt bestanden haben. Fatal wäre aber die einfache operative Entscheidung für den Älteren, weil damit der Weg zur Endoprothese nahezu festgelegt wird. Der Gesamtzustand (Körper und Geist) hat für die Rehabilitation nach einer Operation in jedem Fall eine erhebliche Bedeutung.

Man kann derartige Verläufe für alle Leiden am Bewegungsapparat diskutieren, also für alle Schulteroperationen, Carpaltunnelsyndrome, Bandscheibenoperationen zum Beispiel.

Die Diskussion über den Sinn oder Unsinn der Operationen blieb in den letzten Jahren auf dem Niveau stationär versus ambulant stecken und stationär war schlecht und ambulant gut.
Der Politik mangelt es für ihre Entscheidungen an grundlegendem Wissen und den politisch agierenden Gremien der Ärzte an der notwendigen Differenzierung von wirtschaftlicher Interessenlage auf der einen und medizinischem Fachverstand auf der anderen Seite.

Schlechte Karten also?
Eigentlich nein, aber das medizinische System bildet in jeder Gesellschaft und Epoche die Verhältnisse der gesamten Gesellschaft ab, nicht schlechter, aber vor allem auch nicht besser!

Hippokrates und Galen von Pergamon waren vor ca. 2300 Jahren Außenseiter ihrer Zunft, haben aber mit Ernährung, Bewegung, Kräutern und Psychosomatik eine auch heute aktuelle Medizin betrieben.

Ich habe auch ein iPhone und möchte nicht in die Antike der Medizin zurück, aber wenigstens sollte wieder etwas mehr
Philosophie - oder vielleicht noch besser Weisheit im Sinne der "alten Weisen" - in die Medizin einziehen.

Nur so lernen die Patienten wieder die Verantwortung zu übernehmen, die sie für den Heilungsprozess unbedingt brauchen
und die reparierende Schulmedizin muss wie die Politik ihre Grenzen immer wieder neu definieren. Für Patient und Medizin gilt gleichermaßen der unteilbare Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung, wie es Viktor Frankl einst formulierte.
Medizin war immer eine Erfahrungswissenschaft, die sich der naturwissenschaftlichen Prinzipien bediente. Sie bleibt auch Erfahrungs- und Geisteswissenschaft bis wir das Bauprinzip des Lebendigen verstanden haben und davon sind wir weit entfernt. Die Handlungsmaxime des medizinischen Systems sollte sich wieder an diesem hohen intellektuellen Anspruch orientieren, damit das Mysterium Leben nicht auf banale eindimensionale Handlungsstränge reduziert und damit zwar gut verdient, aber auch viel Schaden angerichtet wird. Die Entwicklung bleibt im Sinne der aufgeführten Daseinsmerkmale offen. Ein Weg wird aber immer weiter weg von äußerlichen Tricks nach innen gehen und er wird zum Beispiel von den uralten Techniken von Yoga und Meditation angeleitet.

Anfängergeist brauchen wir ebenso für Meniskus- wie auch Krebsleiden, aber auch die folgende Mahnung vor allem an die Profis im System, die deshalb (für mich) in einem meiner Behandlungszimmer hängt:

"Wir müssen nichts Besonderes tun, sein oder haben".