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Trauma

Trauma und Selbst

Wie speichert und verarbeitet der Mensch ein Ereignis wie ein Trauma, das so übermächtig seinen Körper und seine Gefühle berührte?
Was macht die traumatische Erfahrung mit seinen "Trieben" , die ich in der Summe als "Lebenskraft" auffasse?

In der ersten beiden Lebensjahren lernt der Mensch durch die besondere Nähe der Mutter schon ganz viel über Gefühle und Affekte (seine primitiven und spontanen Regungen). Es geschieht wie in einem WLAN - mit einem Passwort und in der Regel ohne Firewall. Erst mal verbunden ist man dem anderen Teilnehmer schutzlos ausgeliefert - später nennt man es vielleicht Übertragung und Gegenübertragung und kann den gleichen "Kanal" in einer therapeutischen Beziehung nutzen. Der an sich unbewusste Austausch wäre dann aber einer Absicht unterworfen, es gäbe einen Beobachter, den Therapeuten und er hätte einen "Firewall" aufgrund seiner Ausbildung und therapeutischen Erfahrung. Auch hier ist ein regelmässiges Update allerdings erforderlich. Zunächst liefert die unbewusste Verbindung Kind/Mutter den lebensnotwendigen Input für den neuen Erdenbürger, um sein inneres Gleichgewicht der Gefühle, des Stoffwechsels, des Immunsystem und Wachstums etc. erreichen und halten zu können. Das Baby sendet elektromagnetisch " im gleichen Feld" Signale seiner rechten Hirnhälfte zur erwachsenen Bezugsperson und löst dort Reaktionen aus, die es versorgen lässt. Sprachlich Forderungen kommen erst später. Die Wissenschaft nennt diesen Vorgang der Handlungsauslösung im Empfänger durch einen sozial verbundenen Sender u.a. eine "projektive Identifikation". Später kann z. B. der Jugendliche auf dieser Leitung auch u.a. aggressive Handlungen in einem anderen Menschen, in der Pubertät auch den Eltern vor allem, hervorrufen.
Mobbing kann auch einem solchen Mechanismus folgen. Die Diskussion um die Schuld von Tätern und Opfern gleichermaßen ist uralt und wird immer wieder geführt. Wenigstens in einer medizinischen Therapie, nicht nur in der Psychotherapie, sollte diese unbewusste Wechselwirkung zwischen Menschen Beachtung finden.

Diese "primitive" Form unbewusster Kommunikation zwischen den Menschen bleibt lebenslang erhalten und ist ein wichtiger Abwehrmechanismus unter Bedrängung. Ich lagere meine Ängste, Wut und Zorn in meinen Mitmenschen aus, weil ich sie selbst nicht aushalten kann. Diese Übertragung führt im Empfänger zu Handlungen dem Sender gegenüber. Ich sehe den Splitter im Auge des anderen Menschen, aber den Balken im eigenen nicht ist die einfache Kommunikation noch ohne Handlung dazu und beschreibt unseren blinden Fleck. Das Auge selbst kann sich nicht sehen, würde der Tibeter sagen.

Der Anstoß zu den Handlungen geschieht unbewusst. Ob sie tatsächlich ausgeführt wird, ist der kontrollierenden Beobachtung des Wachbewusstseins unterworfen. Achtsam könnte es die Handlung verhindern, oft allerdings nicht stoppen oder korrigieren! Denken wir Erwachsene an das Stück Kuchen vor uns auf dem Teller.
Wie häufig ist es rettungslos verloren?

Das sich mit den Interaktionen von Mutter-Kind entwickelnde "Selbst" des Kindes bleibt lebenslang die Basis für seelische und körperliche Antworten des Menschen auf seine Lebensbedingungen.

Auch das Immunsystem speichert schon sehr frühzeitig Erfahrungen, nach meiner Vermutung gerade im Zusammenhang mit Affekten und Emotionen. "Bauchgefühl" ist das Stichwort. Reizdarmsymptome gestresster Schreikindern sind auch immer bei der Mutter zu untersuchen. Ob erst die Mutter und dann das Kind oder umgekehrt reagieren, kann eine interessante Frage sein. Wenn die Verbindung erst einmal steht, wird sie wechselseitig sein.

Epigenetische Prägungen des Kindes in sehr früher Zeit wirken sich auf chronische Erkrankungen des späteren Lebens aus. Hinweisend kann zum Beispiel der Vitamin D Spiegel und die Schilddrüsenfunktion der Mutter sein. Es sind relativ einfach bestimmbare Parameter im Blut.

Über die Darmflora, so der biologische Sinn, erkunden wir menschlichen "Säugetiere", ob ein Lebensraum geeignet ist, nicht anders als bei den "Kotfressern" im Tierreich. Beim Menschen sprechen wir von einer Toilettengescheinschaft, die sich zum Beispiel die Handtücher und das Klo teilen.

In dieser Gemeinschaft unseres Bioms, der Darmflora, werden nach meiner Beobachtung Immunreaktionsweisen ebenso vermittelt wie die primitiven Emotionen von Ärger, Wut oder Angst z.B. Der Bauch von Mutter und Kind reagieren in der Regel vergleichbar. Diese systemische Sicht entgeht oft unserer hochmodernen Medizin, weil sie den Fokus möglchst mit digitaler Diagnose und objektiv bildgebend oder im Labor nachgewiesen beim Einzelnen sucht.

Man kann dieses Informationssystem "der Darmflora" auch für therapeutische u.a. medikamentöse Interventionen zum Beispiel mit "informierten Probiotika" bis hin zur Informationsübertragung zwischen Mutter und Kind durch homöopathisch unterstützte Rituale nutzen, wie ich sie gern anleite. Es wird noch geheimnisvoller, wenn man den Effekt der Darmflora in langjährigen Lebensgemeinschaften beobachtet. Wenn einer der Partner Hashimoto-Schilddrüsenentzündung und Reizdarm hat, wird der nicht blutsverwandte Lebenspartner in der Toilettengemeinschaft ebenfalls "infiziert" - Stress und Alarmverhalten setzt sich durch - ein interessantes Formschungsprojekt! Zweifelsohne setzt eine solche Forschung den Willen zur multidisziplinären Arbeit voraus.

Der Schulmediziner wird gegenwärtig den Placeboeffekt vermuten und wehrt dann regelhaft ab. Aber mach mal einen therapeutisch geplanten Placeboeffekt! Nicht so einfach! Ablehnen ist hingegen sehr einfach.

Liegt ein Geburtstrauma wie bei einer Kaiserschnittentbindung, einer körperlichen und/oder seelischen Erkrankung der Mutter in der Schwangerschaft oder nach der Geburt in den beiden ersten Lebensjahren vor allem vor oder wird das Kind ungenügend durch die Mutter versorgt, finden beide oft kein "Passwort im WLan" zueinander. Die pränatale Psycholgie geht sogar noch weiter. Bewusstsein entsteht ganz früh, schon im Mutterleid und wird strukturbezogen verarbeitet. Hirnstamm, limbisches System und dann erst Neocortex (das ist der Bereich, mit dem wir Geld vom Konto abheben können und in dem die Geheimzahlen gespeichert sind). Der Überfall am Geldautomat würde aber in tieferen Arealen gespeichert (der Affekt des Überfalltraumas in den Corpora amygdala). Beim nächsten Geldabheben schaltet dann das limbische System auf "Durchzug": Der Plan (Neocortex), Knete zu holen schlägt unbewusst ohne ausreichend Modifikation/Block im limbischen System im Hirnstamm als existenziellen Konflikt durch, sein oder nicht sein, der Blutdruck spinnt, die Muskeln spannen, der Atem stockt und das Herz schlägt bis zum Hals. Hitschcock lässt grüßen! So ticken wir alle!

Wichtige Informationen zur Regulation der Affekte und Emotionen für die schnell wachsende rechte Hirnhälfte des Kindes werden dann mit traumatischer Störung nicht ausreichend ausgetauscht, was das Gehirnwachstum hemmen kann. In der Folge ist lebenslang mit einer Störung der Verarbeitung von Gefühlen und Affekten zu rechnen. Die Stromschnellen des Lebens, also Schule, Adoleszenz, Beruf und Familie, Trennung, Krankheit und Tod, erhalten einen ungemeinen und nicht zur Realität adäquaten "psychotischen" Verstärker.

Das "Selbst" kann sich nur fragmentarisch aus sich selbst heraus entwickeln. Zur "gesunden" Entwicklung ist die ausreichend gute Versorgung der primären Bezugsperson ohne Alternative.

Dem "Selbst" fehlt es ohne die ausreichende frühe Bindung an wichtigen sozialen Inhalten, die das Stresssystem, Immunsystem und autonomes Nervensystem vor allem regeln. Existenz oder Vernichtung im Lebenskampf müssen sonst später immer wieder auf einem hohen Niveau vegetativer Fehlfunktion (Stress/Stoffwechsel/Gehirnfunktionen) inadäquat zur objektiven Lebensaufgabe reinszeniert werden.

Es geschieht zum Beispiel bei Persönlichkeitsstörungen wie Narzissmus, Autismus, Boderline aber auch Störungen im Selbstwert und in den sozialen Beziehungen. Sie disponieren u.a. zu Erkrankungen wie Angststörung oder Depression, nicht nur wenn das Lebensschicksal uns als besonders erscheinende, aber eigentlich normale Anforderungen wie die von Alter, Krankheit und Tod stellt.

Die frühe Bindung des Babys und mit ihr die Ausgestaltung des Selbst geschieht in einer vorsprachlichen Periode. Mit 2 Lebensjahren werden vielleicht 70 Wörter beherrscht. Die sprachliche Verbindung zur Mutter reicht also nicht, um heftige Gefühle auszudrücken, die bei einer ungenügenden Versorgung eintreten. Schließlich geht es um Alles, die ganze Existenz, leben oder vernichtet werden!

Die wichtigen Informationen für die rechte Gehirnhälfte über die Steuerung von Gefühlen und Affekten, also auch das Stresssystem im Menschen, erhält das Baby von seiner engsten Bezugsperson, mit der ein lebhafter nicht sprachlich vermittelter Austausch besteht.
Die Qualität der Inhalte der wechselseitigen Nachrichten entspricht einer Quantität des Grades der inneren Teilnahme im Stoffwechsel und autonomen Nervensystem des Kindes. Das autonome Nervensystem, die Begriffe Sympathikus und Parasympathikus sind hinlänglich bekannt, verbindet alle Organe mit den steuernden Zentren im Hirnstamm, u.a. der Formatio retikularis (Interessierte googlen den Begriff).

Versagt die Bindung an die Bezugsperson oder ist sie ungenügend, dann drohen dem Kind subjektiv Vernichtung, Panik und Schrecken ohne Ende. Die Lebensumgebung merkte es oft erst, wenn sie sorgsam beobachtet.

Man nennt es Dissoziation, wenn nicht ausgehaltene Gefühle und Affekte in eine "Bad Bank" ausgelagert werden. Der Kaufpreis ist allerdings hoch - wie oben am Geldautomat beschrieben.
Es kommt zu einem emotionalen und körperlichen Rückzug wie bei einer sehr frühen Depression und das Kind gedeiht nicht! Traumatisierte Kinder fallen nach initial heftigem Agieren in eine Reaktionsstarre.

Dieser Modus fällt auch bei der posttraumatischen Belastungsstörung, der Depression und in geringerem Maße beim "Burn out" der Erwachsenen auf.
Der erwachsene Körper ist aber nicht mehr ganz "neu" und so stehen für Patient und Arzt oft körperliche Symptome im Vordergrund. In der Orthopädie sind es oft "die Bandscheibe", entzündliche rheumatische Erkrankungen und chronische Schmerzen, die in der modernen pharmakologisch individualisierten Medizin oft als "Morphinmangelerkrankung" angesehen werden.

Jedenfalls kann der ganze Körper weh tun. "Fibromyalgie" ist eine der vielen Erscheinungsformen krankhafter autonomer Reaktionsweisen mit einem traumatischen Bezug bis in die Versorgung in der Säuglingsperiode im sozialen Lebenskontext der Primärfamilie.
Als Orthopäde sehe ich häufig Röntenaufnahmen der Lendenwirbelsäule oder MRT Befunde dieses Bereiches.
Frühe Störungen, "Boderderline" Modus der Adoleszenz, Störungen der Schilddrüsenfunktion und depressiver, ängstlicher Umgang mit den Lebensaufgaben geht erschreckend häufig mit einem erheblichen strukturellen Abbau der Wirbelsäule einher. Die Wirbelsäure frisst sich selbst auf, rheumatisch oder bakterielle entzündlich, in jedem Fall im Zusammenhang mit der Darmflora.

Die heutige wissenschaftliche Medizin neigt dazu, das Individuum "statistisch" zu betrachten, die Symptome mit einem Begriff, der Diagnose, zusammenzufassen ("zu pathologisieren") und eine vermeintliche Erkrankung nach digitalem Diagnoseschlüssel und
Richtlinie zu medikalisieren! Individuelle Medizin sähe anders aus und müsste den Einzelfall analysieren. Die empirische Wissenschaft gibt aber in den Universitäten den Ton an. Es zählt, was statistisch signifikant erscheint. Wahrscheinlichkeiten sind wichtiger als der einzelne Mensch, der den Arzt um Hilfe bittet. Nur so kann verstanden werden, dass ein nicht so kleiner Teil der Ärzteschaft zum Beispiel Rückenschmerz als "Morphinmangelerkrankung" anzusehen gelernt hat.

Ein Kiss-Syndrom KISS-Kinder nach einer körperlichen Verletzung bei einer Zangengeburt, "Kristellern" oder einer Kaiserschnittentbindung (wahrscheinlich dabei allerdings nicht lokal mechanisch, sondern indirekt durch das zentralnervöse Trauma) der oberen Halswirbelsäule, kann zu einer neurologischen Halbseitenschwäche führen. Die Eltern bemerken es u.a. am "schiefen Kopf"(Schädelasymmetrie) oder das Baby ist einfach nur "Schreikind", hat Blähungen ohne Ende oder trinkt nur aus einer Brust.

Es ist für mich die Basisreaktion eines Traumas im körperlichen und seelischen Ausdruck - quasi die "Mutter aller Traumatisierungen".
Ein "schiefer Kopf" wird oft von den beratenden Ärzten bagatellisiert, die sich nicht ausreichend mit den traumatischen Störungen der frühen Säuglingsphase beschäftigt haben oder dieses Wissen sogar "unbewusst" abwehren. Mütter berichten dann von einer ärgerlichen Reaktion des Arztes auf ihren Hinweis, einem Bagatellisieren oder sogar offene Kritik am ärztlichen Kollegen.
Bedenken Sie dabei immer, das der Zornige sich selbst abbildet, weil sein eigenes Interessse und Selbstbild in Gefahr geraten sind;
der Inhalt ist dem Zornigen eigentlich egal, obwohl er scheinbar im Vordergrund steht. (Genau entgegen der Zielvorstellung des Zornes zu handeln ist dem Zornigen oft nicht möglich ("Reaktionsbildung"), aber eigentlich für das Zielobjekt nicht schlecht, weil einer unbewusst ausgedrückten Wahrheit gefolgt werden könnte).

Um einer Norm nach Symmetrie (eine Illusion der Neuzeit!) zu genügen, gibt es medizinische Versuche, den Kopf mit einer "Helmorthese" gerade zu biegen. Mein eigenes Fachgebiet, die Orthopädie, hat eine Tradition in solchen Verfahren.
Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, aber auch nichts dafür. Falls die Eltern es wünschten, würde ich eine Überweisung in eine Spezialsprechstunde oft einer Universitätsklinik ausstellen.
(Mit einer Empfehlung zur Lagererung entgegen der Lagerungdeformität entgeht der Arzt wenigstens in Niedersachsen einem Haftpflichtanspruch (s.a. KISS-Kinder ).

Die Eltern sollten wissen, dass die traumatische Erfahrung durch eine solche Maßnahme nicht verschwindet und manchmal wird das Trauma nach eigener Beobachtung sogar durch eine sog. Helmbehandlung reinszeniert. Der erzwungene Druck am Kopf oder was auch immer führt also mitunter zur "Dissoziation" mit folgender Reaktionsstarre der Erschöpfung, einem parasympathischen Rückzug.
Dann ist der Kopf zwar gerade, aber der Kaufpreis kann ein erheblicher emotionaler Schaden mit nicht absehbaren Folgen für das spätere Leben sein.
Behandlungen mit der Kopforthese setzen Therapeuten voraus, die körperliche
und seelische/psychosomatische Folgen ihrer Handlungen und Verrichtungen beherrschen.

Da muss "es" durch, geht nicht nur in diesem Alter schief. Es kann noch viel nachhaltiger schädlichlich sein als bei einem Erwachsenen.
Die Voraussetzung empathischer Einfühlung besteht übrigens auch für die Physiotherapie. Äußerliche Bahnungen über körperliche Reflexe wie in der Vojta Behandlung -aber auch Bobath ist nicht auszunehmen - also jegliche Fremdeinflussnahme- können ebenfalls die Stressreaktion im Gehirn des Säuglings erheblich befeuern, was die Entwicklung des Selbst behindert!

Jede äußerliche therapeutische Einflussnahme, auch wenn sie scheinbar nutzte, bedarf der Kontrolle der subtilen Funktionen des neurologischen und psychischen Systems. Keinesfalls sollte die vegetative Antwort eine Dissoziation oder parasympathischen Rückzug ("Totstellen") zur Folge haben und Letzteres darf nicht als therapeutischer Erfolg der Beruhigung z. B. gewertet werden. Sie ist ziemlich das Gegenteil von dem, was erreicht werden darf und auch könnte.

Nach meiner Ansicht sollte es deshalb in einer Therapie vor allem um den Support der Mutter und primären sozialen Umgebung gehen. Die Mutter ist das erste und wichtigste, das primäre Liebesobjekt für das Kind und mit ihr steht und fällt jede Prognose, nicht mit einer besonderen medizinischen Technik. Damit haben die Mutter und die primäre Familie eine Verantwortung, die unbedingt der Unterstützung der Volksgemeinschaft bedarf!

Lassen Sie sich als Eltern auch nicht erzählen, dass frühkindliche Reflexe von einem Fremden abtrainiert werden müssen! Das wäre naiv und ist mitunter sogar gefährlich.
Allerdings unterliegen die Eltern oft gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen, die es fast unmöglich machen, sich ausreichend gerade auch mit eigenen traumatischen Erfahrungen zu kümmern. Dann ist ein Support für die Anleitung der Bindung zu den Kindern und bei diesen auch eine körpernahe, Empathie vermittelnde Therapie notwendig. Jedwede Körpertherapie muß aber immer im Verhältnis zum Bindungsverhalten, also den Emotionen und anhand subtiler klinischer Zeichen überprüft werden. Sonst schadet sie im Zweifelsfall! Im Zweifelsfall also niemals therapieren - übrigens ein wichtiger Grundsatz für das ganze Leben im Umgang mit medizinischen Institutionen. Lassen Sie sich vor allem kein schlechtes Gewissen durch Vertreter einer medizinischen Institution machen - Ihr Herz und Ihr Bauch wissen schon, wem Sie vertrauen können und wem nicht vor allem!

Natürlich verwächst sich äußerlich "Kiss Syndrom" oft. Beim manchem Menschen dient mir später die Schädelasymmetrie als einfache Orientierungshilfe im Erwachsenenalter zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall. Man muss ggf. nur die Haare etwas beiseite schieben und den Kopf anfassen. In jedem Fall ist der "schiefe Kopf" als Denkmal eines Traumas zu markieren, zunächst für die Eltern, später für das Schulkind, dann für die Aufgaben der Adoleszenz und schließlich für die Prüfungen in den Lebensaufgaben des Erwachsenen.

Die Bedeutung bei einem Symptom des Körpers ist jeweils klinisch zu untersuchen, wenn zum Beispiel Kopfschmerzen, Angst, Verspannungen und Störungen im Stoffwechsel eintreten. Das gilt auch dann, wenn fremde Beschreibungen und Zuweisungen zum Beispiel in sozialen Einrichtungen wie bei "ADHS" erfolgen.
Der Körper ist mal verletzt worden und er erzählt es in seiner subtilen Sprache!

Ärztliche und psychotherapeutische Kunst ist es, die gegenwärtigen Lebensaufgaben mit der persönlichen Biografie im Schicksal der Emotionen und Affekte in einem Lernmodell für den Patienten erkennbar zu machen. So wird auch die körperliche Reaktion verständlich und sogar zu einem wertvollen Seismografen der Lebensgegenwart.

Wenn wir Ärzte die Versorgung traumatisierter Kinder, Jugendlicher und später auch Erwachsener gegenüber einem vielfältigen Angebot auf dem Markt der Möglichkeiten wenigsten weiter anführen wollen, müssen wir uns auch um Techniken der Untersuchung und Beobachtungen Anderer, sogar von "Nichtärzten" kümmern.
Beachtenswert sind die Sichtweisen und Techniken von Osteopathen, die Beobachtungen der "weisen Frauen", der Hebammen, die ich in der Gegenwart für die Familie für unverzichtbar halte, der Homöopathen und Physiotherapeuten, später auch der Psychotherapeuten.

Eine zeitnahe Behandlung des Kindes bei einem Arzt, der sich mit frühen kindlichen Traumatisierungen sowohl körperlich wie auch psychodynamisch auskennt, ist nach meiner Erfahrung notwendig, auch wenn es keine Reparatur im eigentlichen Sinn geben kann. Wir regulieren und informieren, beobachten und greifen mit Support ein, wenn die Eltern nicht zurecht kommen.

Nun mache ich manuelle Behandlungen bei Säuglingen schon seit mehr als 20 Jahren. Mit den Erfahrungen wurde es notwendig, die Meinung über die Manuelle Therapie und ihre Bedeutung anzupassen. Sie bleibt mir das wichtigste Werkzeug neben der neurologischen Untersuchung (Kinesiologie nach Vojta, zentrale Akupunkturdiagnostik, neurologische Untersuchung der Dissoziation, des Rückzuges) und der Stoffwechselfolgen und Spannungen auch bei der Mutter/der primären versorgenden Person.

Folgestörungen können aber trotz handwerklich guter manueller Therapie nicht verhindert werden, weil die Gesamtentwicklung des Menschen nicht von der Funktion der oberen Halswirbelsäule abhängt!
Insoweit teile ich überhaupt nicht mehr die Ansicht der manualtherapeutischen Gesellschaften, Atlastherapeuten etc.
Es tritt auch ohne manuelle Therapie in der weiteren Entwicklung ein ausreichendes Gleichgewicht körperlichen Funktionen ein. Auch beim schwer traumatisierten Baby ist die obere Halswirbelsäule nicht das Maß für das Gedeihen!

Warum ist dann die manuelle Untersuchung trotzdem sinnvoll? Es geht ja nicht um "Einrenken", das wäre primitiv und ist Historie. Es geht um einen handwerklich fundierten Zugang neben weiteren Untersuchungen zum komplexen Gefüge der Mutter-Kind-Interaktion mit einem körperlichen Ausdruck von beiden! Dazu zählt dann auch die Funktion der oberen Halswirbelsäule des Babys mit einer Schädelasymmetrie "als Seismograf" unter anderen. Ein Arzt sollte sich klinisch sicher sein können, ob die Funktion der Kopfgelenke des Babys gestört ist! Es muss es keinesfalls "einrenken" können!
Ein traumatisiertes Baby ist oft nicht in der Lage, zur Mutter eine ausreichend sichere Beziehung ("Bindung" in der Fachsprache) herzustellen. Oft ist es ein Schreikind und auch die Verdauungsleistung ist reduziert. Die Stresssysteme sind wie oben aufgeführt extrem angeschaltet. Sein oder nicht sein! Leben oder vernichtet werden!

"Kinder hören auf zu schreien, weil der oberste Halswirbel (Atlas) behandelt wurde". Diese Ansicht ist naiv, Historie und befriedigte nur den egoistischen Anspruch des Therapeuten. Viel wahrscheinlicher ist es, dass mit der komplexen Interaktion von Therapeut, Kind und primärer Bezugsperson das Bindungsverhalten von Mutter und Kind normalisiert werden kann.

Was dann im Einzelnen geholfen hat ist eine Frage für die Wissenschaft und wir können sie bislang nicht klären. Damit "Schreikinder" sich beruhigen ist oft überhaupt ein Kümmern um Mutter und Kind wirksam, wie es aus "Schreikinder Ambulanzen" berichtet wird.

Manchmal kommen die Mütter zu mir und berichten, dass schon alles besser geworden sei, nachdem sie den Termin zur Behandlung in meiner Praxis gemacht hätten. Damit bin ich natürlich nicht "der Fernheiler"! Auch nicht "mein Ruf" oder meine Praxis wie auch immer. Die Mutter hat vielleicht von einer Freundin gehört, mal da oder dort hinzugehen. Sie kann handeln, hat einen Plan und ist nicht mehr hilflos dem Schreien des Kindes ausgesetzt und damit geschieht etwas Heilendes in ihr und in der Beziehung/Bindung zu ihrem Kind. Das heilt, nicht ein Heiler! C.G. Jung, der berühmte Schweizer Psychoanalytiker, hätte vielleich dazu geraten, den Pfarrer am Ort aufzusuchen und Gebete zu sprechen. Im psychodynamischen Sinn bin ich mir sicher, dass es auch funktionieren kann!

Die englische Psychoanalytikerin Melanie Klein hat zum Thema der frühen Entwicklung bahnbrechende Arbeit geleistet. Oft ist eben die Mutter oder der Versorgende durch den Mechanismus der projektiven Identifikation oder eigener Problematik kein ausreichend guter Versorger. Die Bindung der beiden läuft ungenügend, eine Katastrophe für das Baby. "Trocken und Satt" reicht überhaupt nicht! Ohne einen Input von Liebe stirbt das Kind oder ein Schaden entsteht, der im ganzen Leben nicht mehr gut gemacht werden kann. Diese Dramatik der ersten beiden Lebensjahre wird in der aktuellen Gegenwart oft nicht mehr gewusst! Bleibt ein Baby oder Kleinkind beschädigt, dann wird es im weiteren Leben in den Reifungsaufgaben zumal der Adoleszenz immer wieder scheitern.
Die Quantität, der Grad des körperlichen Ausdrucks der Emotionen und Affekte wird durch die frühkindliche Dramatik erheblich befeuert. Auch bei einem scheinbar lapidaren Anlass geht es um alles oder nichts, Leben oder Vernichtung.

Diese Problematik führt - im Kontext der Familie zumeist - mitunter zu dem, was ADHS in der Schule genannt wird, im Stoffwechsel zu Reizdarm und entzündlicher Erkrankung der Schilddrüse (Hashimoto), Allergie, Boderline Szenarien in der Pubertät/Adoleszenz, in der Schule und später im Beruf versagenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen, vielfältigen Abhängigkeiten, Drogen, Alkohol, Nikotin, später auch frühzeitiger Abbau der Struktur der Wirbelsäule ....

Alles nur wegen der Geburt und der ersten beiden Lebensjahre? Natürlich nicht! Es ist aber das Basismodell einer traumatischen und Stressreaktion mit Beteiligung der Gefühle und Affekte, der Steuerung des Gehirns, einer negativen Körpererfahrung und des Stoffwechsels/Immunsystems.

Die wichtigste Information zur Intensität der Störung hat Melanie Klein erarbeitet. Meine klinischen Erfahrungen in der Behandlung von Kindern in der Praxis seit 1993 lassen mit ihrer Erkenntnis folgende Beobachtung formulieren:

"Reinszenieren sich durch die gegenwärtigen Bedingungen des Daseins kindliche Muster - und das tun sie, wenn das Schicksal die Daumenschrauben mal so richtig andreht - dann schaltet das emotionale und affektive System in uns - ohne zu fragen - imperativ und fulminant in den brutalen Existenzkampf des frühkindlichen Lebens und dies um so mehr, je ungünstiger diese erste Lebensphase abgelaufen ist".

An dieser Stelle könnte man Freuds Triebtheorie fortsetzen. Er war überzeugt, dass die Entwicklung triebgesteuert genuin im Menschen geschehen würde und hat dazu Überlebenstrieb, Sexualtrieb und Todestrieb zu seinem Strukturmodell angeführt.
Nach Siegmund Freud hat die wissenschaftlich Entwicklung vom Triebkonzept einer primären Lebenskraft hin zu interaktiven sozialen Konzepten geführt. Der Trieb wurde dann gerade noch Motivation genannt, also vom Sturm zum Wind gemacht und der Entwicklung des "Ich", des "Selbst", den Beziehungen zu den Objekten oder Lernmodellen der Vorzug in der Wissenschaft eingeräumt. Die Betrachtung der Qualität war wichtiger als der Quantität der "unbewussten Lebenskräfte" geworden.
Ein Versäumnis! Der energetische dynamische Antrieb existiert in jedem von uns und er manifestiert sich oft unerwartet.

Allerdings gibt es eine Renaissance in der Wissenschaft: Der amerikanische Psychologe Allan Schore und der südafrikanische Neuro-Psychoanalytiker Mark Solms stehen für diese Entwicklung. Im Paradigmawechsel könnte entgegen der Ansicht der modernen Psychosomatik der Geist (bewusst, unbewusst) eine Funktion seines Körpers sein und nicht umgekehrt! Mit dieser Erkenntnis müsste die moderne Psychologie umlernen und die Studieninhalte unbedingt eine individuelle körperliche Untersuchung einbeziehen. Psychotherapeuten und Psychiater könnten als Zeichen ihrer erfolgreichen Psychotherapie u.a. körperliche Veränderungen zum Beispiel im Stoffwechsel und Muskelspannungen erkennen. Zu jeder Psychodynamik würde eine Körperdynamik zu suchen sein und umgekehrt - Psychologische Körperanalyse. Die Therapie einer Erkrankung würde dann immer den ganzen Menschen betrachten und dem hippokratischen Ideal einer wirklich menschlichen Medizin nahekommen!

Auch die Beurteilung der Psychopharmaka erhielte eine völlig neue Sicht und man würde erkennen, wie es meine Erfahrung ist, dass viele Antidepressiva nicht glücklich machen können, weil der Körper zum Beispiel im Ausdruck aggressiv bleibt und Grundbedürfnisse nach Geborgenheit, Zeugenschaft, Liebe und Einssein nicht erfüllt werden können, die aber unbedingt mit Heilung verbunden sind.

Die zerstörende Wut aus einer frühen Epoche des menschlichen Lebens, hervorgerufen zum Beispiel durch den Tod eines Angehörigen, die Trennung vom Lebenspartner, den Arbeitsplatzverlust oder nach einem Autounfall gilt es unbedingt zu erkennen und zu behandeln. Der hohe Anteil an Kaiserschnittentbindungen, sozialökonomische Verwerfungen in der aktuellen Gesellschaftsordnung, Armut und Lebensweisen mit emotionaler Verarmung und konsuminduzierter "Dissoziation in pseudoemotionale Digitalisierung von Affekten und Emotionen in den Medien, Computerspielen z.B." eingeschlossen lassen das Thema für das medizinische System immer wichtiger werden.

Es gibt nämlich für den Menschen als "Säugetier und soziales Wesen" keine technische oder pharmazeutische Lösung allein. Sie kann nur zwischenmenschlich und mit dem körperlichen Zusammenhang gelingen!

Die "uralten" heilenden Übungen der Meditation, der Yoga, der Schamanen, die Gebete und Rituale der Christen und Muslime, der Buddhisten, der Indianer und aller anderen spirituellen Gemeinschaften würden wieder die Bedeutung erlangen, die ihnen zur Lösung unserer Lebensaufgaben zukommt. Der Ersatz durch Technik und Medien, Konsum und Besitz ist naiv, unmenschlich und für Mensch und Natur gleichermaßen gefährlich.

Medizinische Reflextherapien wie die Akupunktur erlauben sowohl eine zeitliche Zuordnung zum Trauma wie auch eine Beruhigung der Aktivität im Hirnstamm, im limbischen System und oft der rechten Hirnhälfte zumal beim körperlichen Ausdruck einer Halbseitenschwäche links ( Psychologische Körperanalyse ).

Die Psychotherapie reguliert mit Hilfe einer äußeren Bezugsperson Emotionen und Affekte, formuliert gemeinsam Ressourcen und zeigt, dass selbst unvorstellbares Leid, Wut und Aggressivität aushaltbar und bezeugt werden können, wenn allein und ohnmächtig sein zur körperlichen und seelischen Starre geführt haben.

Schließlich können übende Verfahren wie Yoga, Feldenkrais und ein allgemeines Fitnesstraining die Überzeugung wieder herstellen, dass der eigene Körper ausreichend verlässlich das Leben meistern kann (Kontrollüberzeugung).

Ohne die Körperarbeit werden eine Gesprächstherapie oder passive Behandlungen wie Schmerztherapie, Injektionen oder sogar Operationen nicht nachhaltig sein.
"Solange wir einen Körper haben, gibt es keine körperlose Erfahrung!"


Zum Thema gehören auch die Begriffe: 1."Dissoziative Störung", 2."Konversionsstörung", 3."Somatisierung", 4."Somatoforme Störung", 5."Hysterie/histrionische Persönlichkeit.

"Störungen" sind in der Regel schwere Beeinträchtigungen körperlicher und seelischer Strukturen, die Krankheitssymptome bewirken.
Dissoziation meint die Abspaltung des nicht ausgehaltenen Anteils einer oft traumatischen Erfahrung und dem Sachverhalt des Ereignisses. Diese Fähigkeit erlaubt dem Organismus trotz einer schweren seelischen oder körperlichen Verletzung weiterzuleben und seine extrem angeforderten Stresssysteme wieder an die "normalen" Lebensaufgaben anzupassen.

Nach dem "Urtrauma" durch emotionale oder chemische ("Stoffwechsel im weitesten Sinn) Verletzung im Mutterleib, einer traumatischen Geburt wie mit Kaiserschnitt oder der Saugglocke zum Beispiel kann im äußerlichen Befund nach einer Phase der Halbseitenschwäche mit entgegengesetzter Schädelverformung ein Ausgleich der Spannungen rechter und linker Körperhälfte wie die Beruhigung im Bauch eine Normalisierung anzeigen.

Es erscheint mir aus der klinischen Erfahrung wichtig, die Umstände der Schwangerschaft, der Geburt und der frühen Kinderzeit - ca 2 Jahre - im Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld, den frühen Bezugspersonen, aufzuschreiben, damit bei Bedarf ein Rückgriff möglich ist.
des Kindes erlauben.
Führen später Schicksalsschläge, berufliche oder familiäre Konflikte über längere Zeit zu einer außerordentlichen Belastung der Stresssysteme, kann der Organismus "regressiv" auf die "alte Traumaerfahrung" zurückgreifen und das konflikthafte Geschehen der Gegenwart drückt sich zum Beispiel als ein körperliches Zeichen durch eine Halbseitenschwäche aus.
Die frühere zentralnervöse Steuerung (limbisches System und Hirnstamm) wird als "regressive" Resomatisierung wieder wirksam.
Der biologische Sinn dahinter könnte sein, dass ein "altes Kampfmuster", was schon einmal in einer als existenziell aufgefassten Lebenssituation erfolgreich war, wohl jetzt auch wieder helfe.
Das Baby reagiert auf sich und seine Umwelt mit "allen Zellen" des Körpers. Mit der sensomotorischen Entwicklung ökonomisiert sich der Körper und wird arbeitsteiliger. Man könnte auch sagen, dass die Geistesfunktionen "desomatisieren". Nicht jeder Sinnesreiz führt dann zur Gesamtreaktion des Körpers und die Antworten sowohl des Geistes wie des Körpers werden differenzierter.

Zu den primären Affekten, über die schon der Säugling verfügt, rechnen zum Beispiel Neugier, Wut, Freude, Ekel und Angst.
Auch der Körper differenziert sich - wird ebenfalls arbeitsteiliger. Die Leber im Bauchraum schrumpft im Verhältnis zugunsten der Entwicklung der weiteren Bauchorgane, die das Kind für die Energiezufuhr braucht. Viel mehr Nahrungsmittel können jetzt verdaut werden. Am Anfang war es nur die Muttermilch. So entwickeln und differenzieren sich Geist und Körper gleichermaßen.
Gleichzeitig bleiben aber auch frühere Erfahrungen vor allem der vegetativen Steuerung im Gedächtnis erhalten.
Kurz nach der Geburt ist die Existenz "physiologisch" vital bedroht - das Neugeborene könnte nicht allein überleben und verfügt über strategische Mittel, wie u.a. das laute Schreien, um seine Versorgung zu erzwingen. Diese zum Überleben notwendigen Mittel werden aber auch später gebraucht, um in akuter Gefahr alles geben zu können.
Mit der weiteren Differenzierung des Geistes und der Gefühlssysteme, der affektiven Regulation, ist später auch eine besondere Motivation in der Lage, diesen Grad "existenzieller" körperlichen Aktivität zur Verfügung zu stellen. Man denke an den Leistungssport oder extreme Lebenssituationen bei Katastrophen.
Es kann also normal sein, seine Stresssysteme so zu schulen, dass körperliche Höchstleistungen ohne Schaden an den Organen oder im psychischen System möglich werden. In einem solchen Fall würde man natürlich nicht von einer regressiven (kindlich) bezogenen Resomatisierung(Körperaktivierung wie im existenzbedrohenden frühen Kindesalter) sprechen. Es werden aber prinzipiell vergleichbare Bahnen im Körper genutzt, sehr effektiv, mit viel Übung und guter Geschicklichkeit. Start und Kontrolle geschehen durch die enge Verbindung von Motivation und vegetativem Stresssystem. Die Aktion ist im Sport in der Regel zeitlich begrenzt und setzt einen hohen Trainingsumfang voraus, weil es sonst zum Schaden durch Überlastung und Erschöpfung kommt.

Desomatisierung ist die ökononisch sinnvolle Entkopplung der körperlichen Reaktion durch Erfahrung, Wachstum und Wissen von Affekten, Emotionen und Sinnesreizen.
Resomatisierung koppelt im Krisenfall oder mit besonderer Motivation die Sinneserfahrung und mit ihnen aus Erfahrung verbundene Affekte und Emotionen wieder eng an die vegetativen Funktionen und die Körpersteuerung, um auf die maximalen Ressourcen zurückgreifen zu können.

Das persönliche Krisenmanagement kann im Fall einer frühen organischen Schädigung, einer Mangelversorgung nach der Geburt oder sogar körperlicher Gewalterfahrung, die eine lebensnotwendige liebevolle Zuwendung ausschließt, völlig anders programmiert werden. Dann reinszenieren die Stressszenarien des exitenzielle Konfliktes sowohl seelisch wie auch körperlich. Sie werden fulminant und imperativ am ganzen Körper, im Affekt, dem Steuerungsvermögen und im motivationalen Erleben (Fluchtreflex, Gewaltrausch, sexueller Exzess, psychotischer Zustand, Drogenkonsum, Dissizialität) erlebt.

Im Partnerkonflikt oder drohender Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis ist es wie im Eiskanal des Rennrodlers: Alle Systeme sind aktiviert, Muskeln gespannt, Bewusstsein im Tunnelblick, die inneren Organe im Stressmodus usw. Der Eiskanal dauert aber nur kanpp über eine Minute. Sorge vor der Entlassung oder ein Partner/Eltern/Kinderkonflikt oder ein körperliches Gebrechen sind entweder viel länger oder überhaupt nicht mehr zu korrigieren. Das Überleben ist nur möglich, wenn auch auf die früheren Schutzmechanismen zurückgegriffen werden kann. Nicht ausgehaltene Umstände werden "abgespalten", dissoziiert. Das Leben wird auf den "geschützen Modus von Windows" reduziert.

Bei einer dissoziativen Störung drücken sich die frühen körperlichen Schwächen der Steuerung zum Beispiel als Halbseitenschwäche, Beinspastik, Orientierungsstörung, Schwindel, Körpersymptomen an Wirbelsäule, Gelenken, im Bauchraum und der Kreislaufregulation aus.
Bei einer Konversionsstörung wird der nicht ausgehaltene Affekt körperlich symbolisiert, zum Beispiel als Beinlähmung.
Fälschlich wird manchmal angenommen, dass es sich bei dieser Reaktionsweise um eine reine neurotische, also im psychischen System ablaufende Körperantwort handele. Aus Sicht des Körpers gibt es wohl Entkopplungen der Körperspannung vom psychischen System zum Beispiel wie im Traumschlaf, bei der Demenz oder unter Drogen/Alkohol. Das ziemlich differenzierte Symptom der Konversionsneurose ist aber ohne eine ebensolche regulative Einstellung im limbischen System und im Hirnstamm nicht möglich.
Dennoch führt bei diesem Krankheitsbild der seelische Konflikt und eine ausschließliche Heilung über Körperanwendungen ist zum scheitern verurteilt oder führt bei medizinischen Eingriffen wie Operationen sogar zu einer weiteren Traumatisierung.

Von einer "Somatisierung" wird gesprochen, wenn im bildlichen Sinn, ein neurotischer Konflikt sein Körperteil sucht, dessen Dysfunktion unbewusst stellvertretend für abgewehrte Wünsche oder Bedürfnisse steht.
Auch hier gilt die Warnung der gegenwärtigen Sicht der Schulmedizin. Der Kardiologe kann nach seiner klinischen und technischen Untersuchung sagen, das "Herz" sei gesund und habe nichts. Subtiler geforscht und im Spannungsausdruck am Körper geprüft wird es selbstverständlich schon längst in die Stressreaktion einbezogen und gerät deshalb auch grundsätzlich in Gefahr. In der Zeitungsanzeige steht dann, dass XY "plötzlich und unerwartet aus unserer Mitte gerissen wurde". Plötzlich ja, ein Herzinfarkt kann tödlich sein. Aber unerwartet?

Bei einer somatoformen Störung geht die körperliche Antwort weit über eine schicksalhafte oder einen Lebenskonflikt des Erwachsenen hinaus. Auch wenn das Ereignis scheinbar objektiv lapidar zu seien scheint, der Tropfen hat in diesem Fall das Faß zum Überlaufen gebracht. Jetzt kommt die Konstitution zum tragen, die Fähigkeit bewusst und unbewusst das Leben mit allen Unwägbarkeiten zu bestehen. Die Tiefenpsychologie ermittelt das Strukturniveau und erkennt im Aktualkonflikt eine sich immer wiederholende destruktive Konstellation, die endgültig nicht mehr ausgehalten wird. Oft sind es keine jungen Menschen, sondern Ältere, die Verluste in der Familie, des Arbeitsplatzes oder andere Kränkungen hinnehmen mussten und ihre Fähigkeit zur Abwehr und das Fehlen von positiven Kraftquellen macht sich bemerkbar. Der Bandscheibenvorfall ist nur noch das Tüpfelchen zum i. Es fehlt an Lebenskraft in allen Aspekten von Körper und Geist. Reduzierten wir diese menschlichen Persönlichkeiten, die in der Regel der "Unterschicht" der Gesellschaft angehören auf die Struktur der Wirbelsäule, wird die Rentenentscheidung ungerecht und die phyarmakologische Therapie auf "Ruhigstellung" eben mit den Morphinen ausgerichtet, die in den USA gegenwärtig das Gesundheitssystem an den Pranger stellen. Was ist Gerechtigkeit in diesem Zusammenhang. Falsche Frage! Für diese Patientengruppe ist der Zug nahezu abgefahren.
Es gibt aber die Zeugenschaft des verantwortlichen Arztes, von Selbsthilfegruppen und eine finanzielle Absicherung, die das Notwendige zur Verfügung stellt. Die Menschenwürde ist in einer Gesellschaft immer mal wieder konkret zu definieren.

Siegmund Freud erkannte in der Hysterie eine Antwort des Körpers auf einen unbewussten Konflikt, zu seiner Zeit oft mit einem sexuellen Motiv verbunden, was abgewehrt werden musste. Heute ist Sexualität in aller Munde, einfach medial verfügbar, die Sprache oft mit dem F-Wort angereichert und sexuelle Konflikte gibt es scheinbar nicht mehr. Denkste!
Die frühe Verknüpfung unserere Erfahrungen mit dem Stresssystem beeinflusst neben den bereits aufgeführten Anspannungen und immunologischen Reaktionen auch die Wahrnehmung. Kommt es nach früher Störung, Verletzung, Verwahrlosung usw. sind die späteren Antworten des dann ja weiter entwicklenden Körpers, auch sexuell reifenden Körpers, immer noch dem eingängigen Stresssystem unterworfen. Angst, depressiver Modus oder sogar auch wahnhafte, von der Relität deutlich differente Impulse ("paranoid-schizoide Säuglingsstruktur nach Melanie Klein) reinszenieren in regressiver Resomatisierung (siehe oben).
Es geschieht aber nicht nur in den Stresssystemen, auch die Wahrnehmungen sind betroffen. Einfache Reize, abgestufte und mit großer Kunst romantisch vorgetragenes Werben um die Liebste oder den Liebsten wirken vielleicht nur kurz, aber der Körper spürt ja nicht soviel. Das Angstniveau, die Anspannung wird durch die reduzierende Autonomie der körperlichen Liebesbeziehung mächtig und das feine Spüren gelingt nicht mehr gut. So müssen die Reize gesteigert werden, um überhaupt etwas zu empfinden.
Die Sinnesreize sind also einerseits extrem auf Flucht oder Angriff geschaltet, Haut und Schleimhäute im Tastempfinden aber unempfindlicher. Sexuelle Entladung zum Beispiel verlangt demnach extremere sexuelle Praktiken. Auch kann eine suchtartige Kopplung der inneren Anspannung im anhaltenden Angstmodus, die sexualisiert und selbstbestimmt, damit auch angstreduzierend wirkende, autoerotische Abfuhr in häufiger Masturbation unterhalten. Eine Therapie müsste die Funktionen der Sexualisierung untersuchen, käme damit zur Angst, einer inneren Leere, dem Selbstwert und Lebenssinn, dem Ausmaß nicht bewusster Bindungsfeindlichkeit, erfahrener Feindseeligkeit, zu den Grundbedürfnissen nach Anerkennung, Liebe ohne dafür etwas leisten zu müssen und schließlich zur Zufriedenheit und Lebensglück. Es ist übehaupt nicht einfach und keinesfalls ein medizinisches Problem allein.











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