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NEU: Meditation und Psychosomatik

Einführung

Die Annahme, dass die menschliche Vernunft überwiegend Gedanken, Gefühle und körperliche Funktionen im Leben steuert, ist angesichts der Erkenntnisse der modernen Stressforschung nicht richtig. Im Gegenteil handelt der Mensch auch in der Neuzeit oft wie ein von Trieben und Instinkten gesteuertes Säugetier, das mit der Begabung zur Vernunft frei entscheiden kann, von den vegetativen Funktionen des eigenen Körpers gelöst zur Selbstreflexion und Kreativität fähig ist und imstande, nach sozialen Regeln zu leben, zu lieben und sich um andere fühlende Wesen zu kümmern. Diese ernüchternde Erkenntnis bedeutet jedoch keineswegs, dass die Übung der Konzentration auf Gedanken, Gefühle und ihre körperlichen Ausdrucksformen vergeblich sein muss, da das Animalische letztlich ohnehin überhandnähme. Im Gegenteil wird gerade deshalb die Fähigkeit, sich selbst und das gesellschaftliche und soziale Umfeld aus einer ruhigen und konzentrierten Perspektive zu betrachten, immer wichtiger.
   In einer Gesellschaft, die versucht, ihre neurotischen Strukturen durch materiellen Konsum und individuelle Leistungen zu beruhigen, ist die Erfahrung des eigenen Körpers und seiner Sprache in der Bewältigung der Lebensaufgaben ohne Alternative. Die Meditation gilt als eine der wirksamsten Maßnahmen, um das Wohlbefinden zu steigern und Stress zu reduzieren. Die Aufmerksamkeit, sich selbst gewahr zu sein, richtet sich in der Übung mehr nach innen auf die aktuellen Gedanken, Gefühle und Motive.
   Gelingt es darüber hinaus, im Alltag die äußere Lebenswelt in ihrer gegenwärtigen Realität zu beobachten, wird sie achtsam wahrgenommen. Die Übungen zur Innenschau in der Meditation und der Achtsamkeit gegenüber dem äußeren Leben verändern auch die Motive zu den Handlungen. Sich „erden“ und „die Batterie wieder aufladen“ ist ein Weg, um sich bewusst einer reizüberflutenden Umwelt zu entziehen und selbst wieder zu spüren. Allerdings sind viel Zeit und Raum für sich zu investieren, damit das unmittelbare Erleben zum Gegenstand der Betrachtung werden kann. Der Beobachter, von dem im Buch oft die Rede sein wird, sollte für diese wichtige Aufgabe stabil genug sein, um in der Gegenwart zu ruhen. Oft fehlen nämlich die Übersicht und damit auch die Kontrolle über die eigenen Wahrnehmungen. Der Mensch ist nicht autonom, auch wenn er dies oft von sich selbst annimmt. Was als eigenständiges Denken oder sogar als freier Wille vom Ich, der ich bin, aufgefasst wird, drückt im Gegenteil oft ein inneres Verhalten aus, was unabsichtlich in Gedanken, Gefühlen und einer Körperanspannung wie aus dem Nebel auftaucht.
   Aufgrund meiner ärztlichen Erfahrung habe ich deshalb von Anfang an die Wahrnehmung des Körpers gleichwertig neben die Beobachtung der eigenen Gedanken, Erinnerungen und Gefühle gestellt. 
   Die gegenwärtige medizinische Wissenschaft ist ebenso überzeugt, dass es vielfältige Verbindungen zwischen den körperlichen Strukturen und Funktionen, mentalen Fähigkeiten und Gefühlen gibt, die sich unter anderem im Charakter und Persönlichkeitsmerkmalen ausdrücken. Dennoch führt in der westlichen Denkweise die technisch unterstützte Analyse des materiellen Körpers. Gedanken und Emotionen werden in eigenständigen wissenschaftlichen Disziplinen erforscht und Methoden der Einflussnahme getrennt von körperlichen Funktionen angewandt, die als solche für die Psychiatrie und psychologischen Wissenschaften auch nicht wichtig erscheinen.
   Dem Wissen der östlichen Welt hingegen liegt eine tiefgehende Überzeugung vom Zusammenhang aller Dinge im stetigen Fluss des Entstehens und Vergehens zugrunde. Zwar trennt diese Sicht körperliche und geistige Funktionen nicht, lässt aber keinen Zweifel daran, dass vor allem durch die Übung mentaler Fähigkeiten wie in der Meditation körperliche Funktionen erheblich beeinflusst werden können.
   Die von mir vertretene Psychosomatik integriert östliche und westliche Sichtweisen, den Zusammenhang aller Dinge einerseits und die gezielte Analyse der Materie andererseits. Verfeinert nehme ich beim Menschen kybernetische Abhängigkeiten von Energie- und Stressstoffwechsel, dem Immunsystem und der zentral neurologischen Regulation von Gefühlen und Affekten einschließlich bewusst und unbewusst verankerter Erinnerungen aus dem eigenen Leben, der Familie auch über die Generationen und des angestammten Lebensraumes an.
   In der westlichen und in der Neuzeit auch östlichen Welt stehen das Experiment, die daraus quellende Literatur und die Statistik über Gruppenverhalten im Vordergrund der Forschung über den Menschen.
   In der östlichen Perspektive dominierte über lange Zeit die Überzeugung, dass ein Zusammenhang aller Phänomene im Universum bestehe und der Mensch (nur) ein Teil davon sei.
   Beide Standpunkte machen Aussagen über Zustände von Menschen. Wie die westliche Medizin in der Erkundung psychosomatischer Erkrankungen betont die Schulung des Geistes im Osten mentale Techniken, um das Leiden zu verlassen und Glückseligkeit zu erreichen. Ich kritisiere nicht die Methoden wie die westliche Psychotherapie oder die östlich angewandten Verfahren zur Zähmung von Körper und Geist wie Yoga und Meditation.
   Beide Zugangswege stellen aber die Substanz und Funktionen des materiellen Körpers in den Hintergrund oder zielen hauptsächlich darauf ab, wie in der traditionellen chinesischen Medizin oder im Ayurveda, therapeutisch Einfluss zu nehmen. In der vorzustellenden Meditation und Psychosomatik unter Beachtung von Ich, Ego und Selbst geht es aber weder um Krankheiten oder medizinischen Therapien als Hilfen für die Bewältigung von Lebensaufgaben noch um den intellektuellen Zugang zur Erfahrung des Daseins. Im Vordergrund steht vielmehr das Erleben des einzelnen Menschen in seiner Eigenheit:

Merke: Wenn der Mensch seinen Körper, Erinnerungen, Gedanken und Gefühle mit der vollen Akzeptanz dessen, was jetzt ist, betrachten lernt, gewinnt er Wertigkeit, Würde, Verantwortung und nicht zuletzt seine Freiheit.

Dabei fühlt sich das Ich vieler Menschen irrtümlich schon mit vier erinnerten Ziffern überlegen, weil es einem Automaten Geld entlocken kann. Beziehungen zur Lebenswelt in Gedanken, Gefühlen und körperlichen Reaktionen hingegen lassen viele Menschen oft verzweifeln und das medizinische Reparatursystem in Anspruch nehmen.
   Die Affekte, die als angeborene und automatische Reaktionen auf die Umwelt stehen und daher unmittelbar und mit ihrer existenziellen Kraft den Körper beeinflussen, werden in diesem Buch zusammen mit den Gefühlen betrachtet. Im Kontext der Meditation ist eine Unterscheidung nicht erforderlich.
   Die meisten Menschen in westlichen Gesellschaften haben genug zu essen, erhalten medizinische Versorgung und verfügen über ein sicheres Zuhause. Allerdings nimmt die Zahl derjenigen stetig zu, die aufgrund von Bluthochdruck, chronischen Schmerzen und psychischen Erkrankungen behandelt werden müssen. Viele Menschen verstehen sich selbst nicht vollständig und fühlen sich, als würden ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen von ihrem eigenen Körper fremdgesteuert werden. Das Leben wird oft als ungerecht empfunden und fühlt sich wie ein ständiger Kampf an, der einen schließlich erschöpft. Deswegen versucht die moderne Wissenschaft, auch Antworten auf uralte Fragen über den Sinn des Lebens und den Umgang mit Alter, Krankheit und Sterblichkeit zu finden. Der größte Gegner auf dem Weg zur eigenen Essenz, den die Religionen als die Weisheit allen zeitlosen Daseins betrachten, ist die hektische und laute
äußere Lebenswelt. In den Medien, im Geschäftsleben und im Konsum rennt die Zeit unaufhaltsam davon. In der Meditation hingegen wird die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet. Dort sind unzählige Bilder, Geschichten und Gefühle verborgen, die darauf warten, entdeckt zu werden. Durch bewusste Wahrnehmung von sich selbst während der Meditation eröffnet sich ein Blick in die eigene unendlich große innere Welt. Ruhe, Konzentration und Achtsamkeit lassen die negativen Erfahrungen, vorgefassten Meinungen und belastenden zwischenmenschlichen Beziehungen verblassen.

Merke: Du bist mehr als die Summe deiner Gefühle und Gedanken, denn sie sind flüchtige Erscheinungen, unstet und wandelbar. Vertraue deshalb nicht bedingungslos auf sie. Übe die Fähigkeit, sie zu beobachten und in deinem Inneren zu fühlen. In diesem Erleben begegnest du dir selbst, kannst dich vertiefen und immer wieder neu entdecken.

Die Beobachtung der eigenen Gedanken und Gefühle und ihre vielfältigen Ausdrucksweisen im eigenen Körper, einer verkörperten Erkenntnis, stehen deshalb im Mittelpunkt des Buches. 
   Durch die Meditation entwickelt sich nicht nur innere Einkehr und Ruhe, sondern auch ein gestärktes Selbstbewusstsein – die wichtigste Voraussetzung, um sich selbst als wertvoll zu empfinden. Es fällt leichter, Verantwortung für vergangene und gegenwärtige Lebensentscheidungen zu übernehmen. Dadurch entstehen mehr Zufriedenheit, Gelassenheit und innerer Frieden, die eine wohltuende Veränderung im Gegensatz zur Unruhe, Nervosität und Stress darstellen.
   Dieses Buch begleitet auf einer Reise zu neuen Empfindungen und vielen Wahrnehmungen in einem scheinbar fremden Terrain. Mit den vorgestellten Prinzipien sollten unbewusste Motive und Gefühle erkannt, benannt, bearbeitet und schließlich zu Handlungen geführt oder bewusst verweigert werden. Diese persönliche Erfahrungswelt ist wertvoll und einzigartig. 
   Beispiele menschlichen Verhaltens werden verwendet, um zu veranschaulichen, wie der eigene Körper überraschende und oft unbewusste Handlungsimpulse umsetzt. In den Kapiteln über die psychologischen Bedingungen spielt die Selbstreflexion während der Meditation eine wichtige Rolle. Dabei treffen bewusste und unbewusste Lebenserfahrungen auf eine Persönlichkeit, die sich mithilfe der Meditation besser orientieren kann. Dadurch nimmt die Macht ungünstiger Erfahrungen über das Denken, Fühlen, Handeln und körperliche Stressreaktionen ab. Aus Sicht der traditionellen chinesischen und indischen Medizin (TCM und Ayurveda) besteht eine Wechselwirkung zwischen den Funktionen der inneren Organe und dem menschlichen Bewusstsein. Beide medizinischen Schulen betrachten Körper und Bewusstsein als untrennbar verbunden, betonen allerdings ihre äußerliche Einflussnahme auf Fehlregulationen. Daher können sie zwar eine wertvolle Ergänzung zur Erfahrung des Körpers und seiner Gefühle bieten, lösen aber keine Lebensaufgaben.
   Abschließend werden Formen der Meditation vorgestellt und erklärt. Dieser Teil lädt dazu ein, sie kennenzulernen und zu üben. Mit der Zeit wird die regelmäßige Konzentration des Bewusstseins genauso selbstverständlich wie das Zähneputzen im Alltag. Die Meditation wird zu einem täglichen Besuch bei sich selbst, zu einer ständigen Erfahrung des eigenen inneren Wesens, und sie führt zu einer stabilen inneren Ausrichtung und Beruhigung des vegetativen Nervensystems und des Stressstoffwechsels. Mit der Zeit eröffnet sich dann immer mehr die Sicht auf den eigenen unerschütterlichen Kern, der alle fühlenden Wesen miteinander verbindet.


Dr. med. Reinhard Fabisiak, Salzgitter Bad, im Mai 2024

Das Buch ist ab sofort im Handel:

BoD ISBN 9783758345524 (15,00€) als Paperback

eBook folgt im Juli 2024

 

 


 


Buch: Meditation und Psychosomaik

Ab Mitte Oktober 2024 sind Kursteilnehmer und Mitglieder des Yogastudio Santosha, Salzgitter Bad am Mittwoch 19:45 bis ca 21:00 zur Meditation eingeladen.

Zen, Vipassana, Body-Scan, Sitzen, Gehen und Gespräche beim Tee im Anschluß je nach Interesse.

Grundlagen der Philosophie und der Übungen ist mein Buch über "Meditation und Psychosomatik". Im Verlauf werden auchTexte der abendländischen und asiatischen Philosophie diskutiert und genutzt.

Es soll ein Übungsabend für alle Qualitäten des Daseins werden.   


 
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